Geschenke gibt’s. Als ob wirs uns leisten könnten ;)

12 Jun

Die Fesseln der Bürokratie haben mich an den Schreibtisch gekettet.  Also war ich am Wochenende nicht im Garten. Trotzdem ist alles weitergewachsen. Seltsam. Sollte ich doch nicht der Nabel der Welt sein? Selbst unsere up-gecycelte Scholle braucht nämlich ein paar Kröten, um so schicke Dinge wie gute Erde zu erwerben, Workshops veranstalten zu können, eine 400 €-Stelle einzurichten und, und, und. Deshalb habe ich an unserem fünfsäuligen Finanzierungskonzept gestrickt. Aber das kommt noch früh genug auf Euch zu, hi,hi. Heute bekommt Ihr nochmal was umsonst. Mehreres sogar.

Bevor ich nämlich hoffentlich morgen dazu komme, 1. meine vernachlässigte, nach Grünzeug dürstende Gärtnerseele beim Tomatenausgeizen im Sonnenuntergang zu befrieden und 2. meinen versprochenen nächsten Post zu Netzwerken und Teambuilding (pfui, pfui, watscht mich da mein anglizismenhassender guter Geschmack ab, das geht doch wohl besser, oder wie? Lustig, daraufhin fällt mir als erstes das Wort „Stammbildung“ ein.  Hm, muss ich mal drüber nachdenken) zu vollenden und online zu stellen, gibts zwei kleine Extra-Schmankerl aufs Grüne hinter den Ohren.

Das Erste am Samstag, den 23. Juni ab 17.00 Uhr: Eine megalomanisch spannende Lesung von unserem Vereinsmitbegründer Martin Rasper aus seinem im oekom Verlag erschienenen Buch Vom Gärtnern in der Stadt. Stattfinden tut das Ganze in meiner Lieblingsbuchhandlung Buch&Bohne (Kapuzinerplatz 4 / Eingang Häberlstrasse)  im Rahmen der Kulturtage Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Ich bin auch da. Und noch so paar Ogepflanzte.  Ihr könnt also nicht nur dem Martin Löcher in die Gärtnerschürze fragen, sondern ebenso uns.

Und als wäre das noch nicht grandios genug, habe ich 15 Karten für Blogleser    reservieren lassen. Wenn Ihr kommen wollt, reicht eine Mail an mitmachen@o-pflanzt-is.de und max. zwei Plätze sind Euer, komplett für umsonst, lau und mäuselos. Und zwar bis Sonntag, den 17.06. Denn ausnahmsweise und o’pflanzt is!-untypisch gilt: Wer zuerst sät, erntet auch zuerst. Also hurtig (so ein schönes, lautmalerisches Wort)!

Ich habe Martins Buch natürlich verschlungen. o’pflanzt is! kommt auch darin vor. Es ist eine wirklich gelungene, umfassende, wunderbar leicht geschriebene und dennoch immer höchst politisch bleibende Einführung in Natur & Praxis urbaner Gärten. Ein echtes Standardwerk im allerbesten Sinne. Statt einer allumfassenden Rezension an dieser Stelle wird es hier in Zukunft immer wieder themenbezogene Schnipsel zu lesen geben – Martin war nämlich so nett, mir BuchInhalt zur Vertofuwurstung auf diesem Blog anzubieten. Da sach ich nich nein.

Wers nun garnicht abwarten kann und schon vorher schmökern möchte, der radle einfach vorbei bei Buch&Bohne und erstehe ein Exemplar – sie warten dort schon sehnsüchtig darauf, in Euren Bücherregalen Wurzeln schlagen zu dürfen. Das Beste an dieser Variante: Die ersten drei Bücherwürmer kriegen einen Espresso aufs Haus spendiert.

Denn wie Ihr längst vermutet haben werdet, gibt’s bei Buch und Bohne nicht nur interessantest ausgesuchte Folianten, sondern auch koffeinreiche Muntermacher und im Laden gebackene Kuchen, das Ganze zu genießen auf einem alles in sich einsaugenden Biedermeiersofa und kleinen, paris-esken Bistrotischchen. Meine Idee eines perfekten Regentages – abgesehen natürlich von der Variante zwei, die mich in Regenstiefeln im Garten antrifft. Hüstel.

Wenn Euch das Thema also grundsätzlich interessiert, sind Vom Gärtnern in der Stadt und Christa Müllers Klassiker „Urban Gardening“ die perfekte theoretische (aber nie trockene) Informationsgrundlage.

Christa Müller hat außerdem nicht nur einen ausgezeichneten Blog mit vielen Hintergrundinfos, sondern justamente für Der Freitag eine alles-auf-den-Punkt bringende Zusammenfassung zum Stand urbanen Gärtnerns in deutschen Städten geschrieben. Sehr lohnenswerte Lektüre. Derzufolge wir zur politischen Avantgarde gehören. Was bisschen Buddeln so alles aus einem machen kann 😉 Geht natürlich trotzdem runter wie Rapsöl, auch wenn der eh schon zur Selbstausbeutung führende Eigenanspruch jetzt nochmal einen Sprung nach oben tut. Yaps.

Mein Lieblingssatz aus dem Artikel:

Zu den wesentlichen Adressaten gehören dabei die Stadtplaner und -verwalter, die man bei der Gestaltung des öffentlichen Raums darauf aufmerksam machen will, dass die Stadt kein Container für noch mehr Autobahnen und Shopping-Malls ist, sondern ein Lebensraum für alle, in dem auch über die Grundlagen der Existenz debattiert werden sollte. Die politischen Formen der Generation Garten zeichnen sich weniger durch Forderungskataloge als durch Performanz, durch punktuelle und symbolische Interventionen im öffentlichen Raum aus.

Achja, was gäbe es da wieder zu schreiben… ein anderes Mal. Und wer Christa und Martin live & in medialer Äctschen erleben will, begebe sich ins Archiv des  ZDF zu einer  Themensendung des Nachtstudios. Boahhh, Urban Gardening goes Öffentlich-Rechtlich – iss schon bisschen unheimlich.  Aber, alles egal, HAUPTSACHE ES TUT SICH WAS.

Das für mich Berührendste an der Sache mit dem urbanen BeWuchern:  Dass die Natur es sich nicht nehmen lässt, selbst die Städte zu erobern, durch jede winzigliche Lücke hindurch und noch auf dem feindseligsten Brachgelände. Ruderalvegetation nennt sich das erstaunliche Produkt dieser faszinierenden Eigenschaft. Und definiert sich so:

Ruderalvegetation ist die vorwiegend krautige Vegetation anthropogen stark veränderter und/oder gestörter Wuchsplätze, sofern diese weder land- noch forstwirtschaftlich genutzt werden. (Brandes 1985, Brandes & Griese 1991)

Wer mehr wissen will, besuche die unglaublich wissensreiche und sehr lesenswerte Webseite von Professor Brandes. Wer mehr sehen will, komme zu o’pflanzt is! Denn dort bewahrt unsere mich immer wieder in Erstaunen versetzende Gärtnerin Hannah alles vor dem Zertretenwerden, was schon an stoischen Wildkräutern die Fläche besiedelt hatte, als wir noch wild von einem urbanen Garten träumten. Und umgibt sie zu diesem Zweck mit obig betrachtbarer Markierung. Ist das schön, oder ist das SCHÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖNNNNNNNNNNNNNNN????????????? Seufz. Ich glaub, ich fahr doch jetzt noch schnell los. Ich hab‘ o’pflanzt-weh.

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