Gestatten, mein Name ist Beet.

30 Mai

Ich lese gerade das bei Dumont erschienene Buch des Prinzessinnengartens „Anders gärtnern in der Stadt“.

Eine ganz außerordentlich lehrreiche Angelegenheit mit vielen wunderschönen Bildern & Inhalt vom Feinsten – nicht nur die Geschichte des Gartens wird erzählt, auch ein für mich mächtig erhellendes, ehrliches Interview mit einem der Gründer, viele, viele Garteltipps, liebevollst illustrierte Pflanzenporträts, Rezepte und, und, und.  Leider hat diese opulente Ausstattung auch den Preis in die eigentlich unbezahlbare Höhe von 29,90 € hochgetrieben hat, seufz.

CoffeeTableBook statt Handkompendium. Schwierige Entscheidung, das. Machen wirs stylisch und mehrmenschkompatibel (ich vermeide hier mal das Wort „Masse“) oder demokratisch&leistbar, dafür fleddrig, schwarz/weiß und eventuell wieder nur für die Bekehrten?

Auch wir basteln ja gerade an einem buchähnlichen Dings, genauer: Einer ToolBox für Gemeinschaftsgärten, die als Open Source PDF und BookonDemand im o’pflanzt is! – Selbstverlag erscheinen wird. Unterfüttert von einem raffitückischen Finanzmodell, an dem ich gerade bastle. Ob sich damit oben zusammengefasstes Problem umgehen lässt? Wir werden sehen… aber dazu an anderer Stelle baldigst mehr.

In jedem Fall: Wer die Kröten hat, und sich für urbane Gärten interessiert, dem sei die Prinzessinnenlektüre wärmstens anempfohlen. Natürlich bestellt ihr sie nicht beim fiesen Versandhandel, sondern tigert gemächlich zu Buch&Bohne, der Buchhandlung meines Vertrauens, wo es noch dazu den besten Kuchen in Isarvorstadt gibt, frisch im Laden gebacken!

Aber ich wollte ja auf meinen Post von gestern näher eingehen, sprich aus dem Samenkästchen des Gründungsvorganges plaudern.  In dieser Hinsicht sind für mich besonders die Unterschiede zwischen o’pflanzt is! und Nomadisch Grün (der hinter dem Prinzessinnengarten stehenden gGmbH) faszinierend.

Derer gibt es garnicht so viele, die aber sind recht entscheidend. Zum Beispiel arbeiten beide Gärten aus ähnlichen Gründen mit mobilen Modulen wie Hochbeeten und Reissäcken: Primär, weil wir einen Zwischennutzungsvertrag haben, der ein relativ schnelles Verbringen des gesamten Gartens auf eine andere Fläche nötig machen könnte. Die Prinzessinnengärtner waren daher so schlau, ihre gesamte Fläche mit DIN-normierten Einheiten zu bestücken: Bäckereikisten & Euro-Paletten fügen sich zu Hochbeeten, alles andere kommt in umgebauten Schiffscontainern unter und insgesamt lässt sich der ganze Garten mit 27 Zwölftonnern geplant bewegen. Natürlich wird drumherum genausoviel recycelt und improvisiert wie bei uns. Nur die Basismodule sind halt homogen.

Das ist bei o’pflanzt is! exakt und einhundertmillionen Prozent anders (noch, den eine Zeitlang werden wir wohl auch mit Bäckerreikisten arbeiten, bis nach und nach die Individualbeete wieder nachrücken.) In der Praxis führt das unter anderem zu diesen freundlichen Gesellen:

Das Lieblingsbeet von Vielen. So dekorativ und eigentlich doch so simpel. Das Geheimnis ist die vieleckige Palette.

Meine ganz besonderen Lieblinge. Konsumkritik vom FeinGrünsten.

Das kreativste Beet im Boot. Oder Boot als Beet? Drinnen endlos neu bepflanzbar, ringsum dekorativ umrankt.

Unsere Frühbeete: Kiste gezimmert, Planken auf halber Höhe rein, alte Fenster drauf, färtich. Jetzt nach den Eisheiligen werden reguläre Hochbeete draus.

Hat sowas poetisches, megafriedliches. Zwei alte Freunde im Gespräch. Zwischen Ihnen die Saat ihrer Ideen.

Unser Kartoffelbeet. In Reissäcken. Unten acht Löcher rein, Kieselsteinschicht für die Drainage, 20 cm guter Boden drauf, vorgekeimte Kartoffeln verbuddeln und immer wieder anhäufeln, wenn sie sich der Oberfläche nähern. Geht auch aufm Balkon mit der eigenen Lieblingssorte!!!!!!

Und immer kräftig gießen, aber nicht aufs Grün!

„Blatt 2“ unseres dreiblättrigen Riesenkleeblattbeetes, soeben fertig gestellt aus verschraubten Palettenmodulen – nach einer Anregung von Sven, unserem Permakulturgärtner.

Und hier das Ganze nochmal in bepflanzt.

Noch viel mehr Selbstgezimmertes gibts NATÜRLICH!!!!! vor Ort zu bestaunen – und SELBST ZU BAUEN.

Dabei handelt es sich auch um eine Grundsatzentscheidung. Der Prinzessinnengarten ist ein Blue Print, welcher sich dank Normierung der Grundelemente schnell und endlos an anderen Orten ähnlich aufbauen lässt. Das macht ihn zu einem reproduzierbaren Wunder; es nimmt die Angst vor der leeren Fläche und lässt urbane Gärten schnell, effektiv und total mobil entstehen, wichtige Kriterien für Grundstücksbesitzer und zögerliche Mitgärtner.

Andererseits fehlt das gemeinsame Entstehenlassen von Beeten aus gespendeten, selbst gesammelten, irgendwie angeschwemmten, dreist zusammengeschnorrten und dem Müll entrissenen Materialien.  Die ständig aufs Neue geforderte Kreativität, schon Entsorgtem wieder seine Wertstofflichkeit zu entlocken.  Der ständige, gemeinsam zimmernde Optimismus, diesmal das ultimative Hochbeet zu konzipieren. Die Emergenz, dass aus drei Menschen, die keine Ahnung vom Schreinern haben plus einem Haufen Müll das Zuhause eines ganzen Universums an Keimkraft werden kann. Die Hoffnung, dass sich zwar nicht das System als Infrastruktur aber als Kreativitätsimpuls vervielfältigen lässt.

Zwei ganz verschiedene Ansätze mit einem sehr ähnlichen Ziel. So vielfältig ist das urbane Gärtnern.

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