Archiv | Mai, 2012

Gestatten, mein Name ist Beet.

30 Mai

Ich lese gerade das bei Dumont erschienene Buch des Prinzessinnengartens „Anders gärtnern in der Stadt“.

Eine ganz außerordentlich lehrreiche Angelegenheit mit vielen wunderschönen Bildern & Inhalt vom Feinsten – nicht nur die Geschichte des Gartens wird erzählt, auch ein für mich mächtig erhellendes, ehrliches Interview mit einem der Gründer, viele, viele Garteltipps, liebevollst illustrierte Pflanzenporträts, Rezepte und, und, und.  Leider hat diese opulente Ausstattung auch den Preis in die eigentlich unbezahlbare Höhe von 29,90 € hochgetrieben hat, seufz.

CoffeeTableBook statt Handkompendium. Schwierige Entscheidung, das. Machen wirs stylisch und mehrmenschkompatibel (ich vermeide hier mal das Wort „Masse“) oder demokratisch&leistbar, dafür fleddrig, schwarz/weiß und eventuell wieder nur für die Bekehrten?

Auch wir basteln ja gerade an einem buchähnlichen Dings, genauer: Einer ToolBox für Gemeinschaftsgärten, die als Open Source PDF und BookonDemand im o’pflanzt is! – Selbstverlag erscheinen wird. Unterfüttert von einem raffitückischen Finanzmodell, an dem ich gerade bastle. Ob sich damit oben zusammengefasstes Problem umgehen lässt? Wir werden sehen… aber dazu an anderer Stelle baldigst mehr.

In jedem Fall: Wer die Kröten hat, und sich für urbane Gärten interessiert, dem sei die Prinzessinnenlektüre wärmstens anempfohlen. Natürlich bestellt ihr sie nicht beim fiesen Versandhandel, sondern tigert gemächlich zu Buch&Bohne, der Buchhandlung meines Vertrauens, wo es noch dazu den besten Kuchen in Isarvorstadt gibt, frisch im Laden gebacken!

Aber ich wollte ja auf meinen Post von gestern näher eingehen, sprich aus dem Samenkästchen des Gründungsvorganges plaudern.  In dieser Hinsicht sind für mich besonders die Unterschiede zwischen o’pflanzt is! und Nomadisch Grün (der hinter dem Prinzessinnengarten stehenden gGmbH) faszinierend.

Derer gibt es garnicht so viele, die aber sind recht entscheidend. Zum Beispiel arbeiten beide Gärten aus ähnlichen Gründen mit mobilen Modulen wie Hochbeeten und Reissäcken: Primär, weil wir einen Zwischennutzungsvertrag haben, der ein relativ schnelles Verbringen des gesamten Gartens auf eine andere Fläche nötig machen könnte. Die Prinzessinnengärtner waren daher so schlau, ihre gesamte Fläche mit DIN-normierten Einheiten zu bestücken: Bäckereikisten & Euro-Paletten fügen sich zu Hochbeeten, alles andere kommt in umgebauten Schiffscontainern unter und insgesamt lässt sich der ganze Garten mit 27 Zwölftonnern geplant bewegen. Natürlich wird drumherum genausoviel recycelt und improvisiert wie bei uns. Nur die Basismodule sind halt homogen.

Das ist bei o’pflanzt is! exakt und einhundertmillionen Prozent anders (noch, den eine Zeitlang werden wir wohl auch mit Bäckerreikisten arbeiten, bis nach und nach die Individualbeete wieder nachrücken.) In der Praxis führt das unter anderem zu diesen freundlichen Gesellen:

Das Lieblingsbeet von Vielen. So dekorativ und eigentlich doch so simpel. Das Geheimnis ist die vieleckige Palette.

Meine ganz besonderen Lieblinge. Konsumkritik vom FeinGrünsten.

Das kreativste Beet im Boot. Oder Boot als Beet? Drinnen endlos neu bepflanzbar, ringsum dekorativ umrankt.

Unsere Frühbeete: Kiste gezimmert, Planken auf halber Höhe rein, alte Fenster drauf, färtich. Jetzt nach den Eisheiligen werden reguläre Hochbeete draus.

Hat sowas poetisches, megafriedliches. Zwei alte Freunde im Gespräch. Zwischen Ihnen die Saat ihrer Ideen.

Unser Kartoffelbeet. In Reissäcken. Unten acht Löcher rein, Kieselsteinschicht für die Drainage, 20 cm guter Boden drauf, vorgekeimte Kartoffeln verbuddeln und immer wieder anhäufeln, wenn sie sich der Oberfläche nähern. Geht auch aufm Balkon mit der eigenen Lieblingssorte!!!!!!

Und immer kräftig gießen, aber nicht aufs Grün!

„Blatt 2“ unseres dreiblättrigen Riesenkleeblattbeetes, soeben fertig gestellt aus verschraubten Palettenmodulen – nach einer Anregung von Sven, unserem Permakulturgärtner.

Und hier das Ganze nochmal in bepflanzt.

Noch viel mehr Selbstgezimmertes gibts NATÜRLICH!!!!! vor Ort zu bestaunen – und SELBST ZU BAUEN.

Dabei handelt es sich auch um eine Grundsatzentscheidung. Der Prinzessinnengarten ist ein Blue Print, welcher sich dank Normierung der Grundelemente schnell und endlos an anderen Orten ähnlich aufbauen lässt. Das macht ihn zu einem reproduzierbaren Wunder; es nimmt die Angst vor der leeren Fläche und lässt urbane Gärten schnell, effektiv und total mobil entstehen, wichtige Kriterien für Grundstücksbesitzer und zögerliche Mitgärtner.

Andererseits fehlt das gemeinsame Entstehenlassen von Beeten aus gespendeten, selbst gesammelten, irgendwie angeschwemmten, dreist zusammengeschnorrten und dem Müll entrissenen Materialien.  Die ständig aufs Neue geforderte Kreativität, schon Entsorgtem wieder seine Wertstofflichkeit zu entlocken.  Der ständige, gemeinsam zimmernde Optimismus, diesmal das ultimative Hochbeet zu konzipieren. Die Emergenz, dass aus drei Menschen, die keine Ahnung vom Schreinern haben plus einem Haufen Müll das Zuhause eines ganzen Universums an Keimkraft werden kann. Die Hoffnung, dass sich zwar nicht das System als Infrastruktur aber als Kreativitätsimpuls vervielfältigen lässt.

Zwei ganz verschiedene Ansätze mit einem sehr ähnlichen Ziel. So vielfältig ist das urbane Gärtnern.

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Es iss soweit.

26 Mai

Erstens isses jetzt soweit, dass dieser dümpelnde Blog zu neuem Leben erweckt wird. Hiermit. Für immer. Ganz ehrlich. Famous last words. Nein, echt, ich bin wild&wuchernd entschlossen, dieses virtuelle Beet ab jetzt nach besten Schreiberlingskräften zu bestellen. Und wer helfen/ annektieren/ kommentieren/ und so mag,  soll nach vorne kommen.

Zweitens haben wir beschlossen, dass  unsere Gründerphase jetzt offiziell abgeschlossen ist!!!!! Woraufhin sich folgende neue Bewohnerin dachte: „Die Hektik ist vorbei? Na, dann kann ich ja endlich einziehen.“

nix is schöner als ein freigewähltes kuscheliges upcyclingheim……
;)))) – gesehen neben unserem komposthaufen, linker pfeiler. (foto & text: Vanessa)

Ha, wenn die wüsste…

Aber was bedeutet das konkret, wenn ein urbaner Gemeinschaftsgarten wie der Unsere sich gegründet fühlt? Die folgenden Tage werde ich diesen Blog mal verschiedenen Elementen widmen, ohne die o’pflanzt is! nicht sein könnte, was (fast bin ich versucht zu schreiben „wer“) es ist. (Natürlich lasse ich eine Million gewichtiger Details unbeackert;  bitte nachfragen, falls wen was besonders interessiert.)

Zusammengefasst sieht das so aus:

– wir sind ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Das erlaubt uns,  Spenden entgegenzunehmen und welche einzuwerben.  Und zwingt uns zur Buchhaltung, Yuck, Yuck. Welche übrigens völlig transparent sein soll und jederzeit eingesehen werden kann.

– wir haben ein wunderbares Grundstück mitten in der Stadt vertraglich angemietet. Und zwar vom Staate Bayern, der uns auf eine ans Märchenhafte grenzende Weise mietpreislich entgegengekommen ist.

Unsere Fläche. Sind wir Megaglückspilze, oder was?

– wir haben eine Mission, eine Philosophie, ein Grundsatzprogramm – nenn‘ es, wiede willst – also, ein paar gemeinsam gefühlte Ideen, was wir mit dem Garten kommunizieren möchten.

– wir haben ein großartiges, nicht genug zu lobendes Kernteam von etwa 25 kontinuierlich (natürlich keinesfalls ständig ) anwesenden Menschen, die durch die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme  den Garten am Laufen halten.

– wir haben einen Gartenplan, der sich organisch verändert und allen Einflüssen offen steht, aber eine Richtschnur für unser gärtnerisches Schaffen ist.

– wir haben einen Finanzplan bis 2013 (keinesfalls zu verwechseln mit:  Geld bis 2013!!!!) und wunderbare Unterstützer, die uns mit Kröten&Rat zur Seite stehen

– wir sind sozial-medial vernetzt und kommunizieren intern über eine Open Source basierte Plattform  – wenn wir nicht im Garten sind, iss ja klar. Da reden wir miteinander!

– wir haben einfach angefangen: Mit dem Erde & Samen bestellen, dem Beetbauen, dem Pflanzen, dem Elektrifizieren, der Küchenentwicklung, den Workshops und Allem anderen.

Die Belohnung: Unsere Saat ist aufgegangen. Und WIR HABEN DAS ERSTE MAL GEERNTET!!!!!!!! Nämlich die leckersten Radieserln der Welt.

Wusstet Ihr, dass Radieschen direkt nachm Aus-der-Erde-ziehen eine perfekte Balance von erdbeergleicher Süsse und rettichartiger Schärfe besitzen? Hmmmm…

Nix, aber auch garnix kann mit diesem Augenblick konkurrieren. Außer vielleicht das Gießen bei Sonnenuntergang direkt im Anschluss. Oder das Entdecken der eben sich ans Tageslicht wagenden Stangenbohnenkeimlinge. Oder die vierte sich im Winde wiegende, knallrote Klatschmohnblüte.

Einfach mal davor setzen, Denken ausschalten und den hauchdünnen Blütenblättern beim Windspiel zuschauen. Das ist Glück.

Oder der Stolz, mit dem drei Kids unser „Tomatenarche“-Schild malen, in der anschließend die Sorte „Gelbe Johannisbeere“ Einzug hält.  Oder nach sechs Stunden über den Garten reden (heute war Schur Fix-Tag), den Bauch gefüllt mit Roswithas exzellentem Bohnen-Tofu-Zucchini Salat, aus dem Tor wanken, sich umdrehen und noch einmal unserem Schild zuwinken…. 🙂

Das schönste Logo der Welt. Mindestens.

Das Leben kann wunderbar sein.