Archiv | März, 2012

Die o’gsäät is! Woche

6 Mrz

Weil Mensch ja in Blogs soviele FeierFreuTage ausrufen kann wie das Jahr lang ist, erkläre ich diese ganze Woche einfach mal zur SeedSpotterWeek. Warum soll ich meinen neuen Fetisch sich nicht in aller Öffentlichkeit auswachsen lassen, gell?

Von jetzt bis Sonntag also Anpflanz-HowTo’s, fruchtbare Literatur&Link Tipps & häufchenweise Samenpolemik.

Anlass ist natürlich unserer Schur Fix #1, bei dem wir am letzten Sonntag auf unserem o’pflanzt Gelände die ersten Samen in die Erde versenkt haben.

 

Wenn aus bald jetzt wird...juchu!

Foto: Mister Knister. Der nicht nur tolle Bilder macht, sondern auch schlau-opflanztige Sachen sagt. Im Radio.

 

Ui, war das schööööööööööööööööööön. Gesät wurden Paprika, Blumenkohl, Brokkoli, Weißkohl, Kohlrabi, Mais und Sellerie. Die müssen zwar jetzt schon gepflanzt werden, brauchens aber kuschliger, als wir es ihnen gerade auf der Fläche machen könnten. Deshalb kamen an die 50 Menschen mit Pflanz-Schälchen, Erdspenden & Wasser in Flaschen und haben Patenschaften für unsere Frischlinge übernommen. Dankeschön an alle dafür!!!!!!!!!!!!

Sven hat eine großartige Einführung ins richtige Einsäen abgehalten, die in den nächsten Tagen als schriftlich verewigtes HowTo vom Feinsten an dieser Stelle erscheinen wird und allen als Anregung dienen soll, es uns noch nachzumachen. Das Pamphlet heißt „Jungpflanzenanzucht – Grundlagen“ und aus irgendeinem unerfindlichen Grund treibt mir dieses Wort grün schillernde Tränen der Rührung in die Augen. Diese Winzlinge sind halt auch so fragil und zart und doch so mächtig zugleich, dass es schwer zu fassen ist.

Vorab hat Sven außerdem schon mal eine kurze Zusammenfassung des unermesslichen Wunders Keimung geschrieben, die absolut SendungMitDerMaus-Würdig ist – mein grösstmögliches akademisches Kompliment überhaupt! Drin steht auch nochmal, was Eure Zöglinge jetzt brauchen, um robuste Jungpflanzen zu werden und den Umzug zu o’pflanzt is! kraftstrotzend zu erleben: Im Grunde nix als Wasser, Luft & Liebe – also wie immer im Leben eigentlich.

Keimung

Damit   das   Miniaturpflänzchen   im   Inneren   des   Samens   hinauswachsen   und   sich  entwickeln kann, muss zuerst der Samen aufplatzen, indem er sich mit Wasser voll saugt. Dabei werden auch die Nährstoffvorräte im Samen verfügbar. Diesen Vorgang nennt man Quellung.

Anschließend treibt das kleine Pflänzchen eine kleine Keimwurzel  in die Erde –  danach kann sie ab sofort Nährstoffe und Wasser über die Wurzeln aufnehmen. Die   Pflanze   schiebt   sich   nun,   entgegen   der   Schwerkraft,   nach   oben   durch   die  Deckschicht, falls vorhanden, und entfaltet ihre kleinen Keimblätter. In dieser letzten Phase   vor   dem   Durchbrechen   der   Deckschicht   genügen   oft   schon   2   Stunden Trockenheit und das kleine Pflänzchen stirbt. Es ist also klar, dass die Aussaat nicht austrocknen sollte – es muss immer genügend Wasser vorhanden sein.

Aber mindestens genauso wichtig ist es, dass immer genügend  Sauerstoff, also Luft, vorhanden ist. Denn sobald das kleine Pflänzchen zum Leben erwacht, will es auch atmen. Deshalb sollte auch nie zu viel Wasser vorhanden sein – denn das Wasser verdrängt die Luft. Die Erde sollte also immer nur feucht – niemals nass, wie ein vollgesaugter Schwamm sein. Eher wie ein gut ausgewrungener Schwamm oder Lappen.

Natürlich braucht das Pflänzchen auch Licht. Im Frühjahr, wenn die Tage noch kurz und die Sonneneinstrahlung noch nicht so intensiv ist, sollte man deshalb den hellsten Platz wählen den man hat – in der Wohnung beispielsweise ein Südfenster, ein Südwest-, zur Not ein Südostfenster.. Fenster in Richtung Norden kriegen eher zu wenig Licht.

Aber auch die Temperatur ist wichtig. Grundsätzlich hat jede Pflanze ihren eigenen optimalen Bereich der Keimtemperatur. Informationen dazu finden sich sicherlich im Internet oder in diversen Büchern, Zeitschriften, etc.

Manche Samen keimen besser wenn sie Licht (sog. Lichtkeimer) bekommen, manche besser bei Dunkelheit (sog. Dunkelkeimer). In der Regel sollte es aber immer klappen, auch wenn ein Lichtkeimer kein Licht abbekommt, weil er mit Erde bedeckt ist. Dies hat nämlich den Vorteil, dass die Saat nicht so leicht austrocknet. Es gibt auch noch weitere Besonderheiten, wie beispielsweise Kaltkeimer – aber das sind Ausnahmen.

Mehr von Sven in Kürze.

Und weil wir ja die schamhaften Samen nicht beim Aufsprengen beobachten dürfen, offeriere ich hier stattdessen eine andere Schlüpfung: Den Geburtsmoment des Baumhummers, ein exemplarisch permakulturelles Wesen, das sein Leben auf einem Baum verbringt – äh, verbringen würde, wenn der Mensch es nicht wiedermal geschafft hätte, diese Art fast komplett zu vernichten. Aber die Natur ist zäh. Nehmt Euch in etwas Zeit, denn das hier ist ein Zen-Moment.

 

Und jetzt noch ein bisschen schamlose Werbung. Am Sonntag haben uns ein paar Menschen besonders freundlich unterstützt. Denen möchten wir danken.

Irene & Josef Braun, der „Bauer mit den Regenwürmern“, Biolandhof Braun, mit einer Biokompostspende. Wer wissen will, wie das Zeux schmeckt, das auf dieser fruchtbaren Scholle wächst: Im Gut & Gern in der Klugstraße 4 kann man jeden Freitag und Samstag lecker-frische Produkte, wie Käse, Backwaren und Kuchen, vom Biolandhof der Familie Braun kaufen.

Sonja Hüsch von der Mohnblume mit freundlicher Unterstützung beim Erwerb der Anzuchterde. Das unfassbar nach Frühling duftende Blumengeschäft findet Ihr in der Volkartstraße 13.

Christine Nimmerfall, Umwelt- und Kräuterpädagogin, mit einer großzügigen Saatgutspende, dem Teilen ihres reichen Erfahrungsschatzes und  hilfreichen Aussaatinfos. Die erfahrene Umwelt- und Kräuterpädagogin veranstaltet neben spannenden Workshops zu verschiedensten permakulturellen Themen auch erlebnispädagogische Exkursionen und Wildkräuterkochkurse für alle Altersstufen.

Josef Voit, Biogärtnerei Voit, mit einer saftigen Bioerde-Spende.

Und natürlich die uns nicht nur nachbarschaftlich verbundene Nachbarschaftsbörse des Ackermannbogens, welche uns einen gemütlichen, schönen Raum zur Verfügung gestellt hat, um uns nach dem Pflanzen wieder aufzuwärmen und einen Überblick über das o’pflanzt is!-Projekt zu geben. Das dortig gedeihende Stadtacker-Projekt stelle ich mal in einem eigenen Beitrag vor.

Es ist immer wieder aufregend, unglaublich und Mut machend, wieviele wunderbare Menschen das ihre geben, um unseren Garten möglich zu machen.

Morgen gibts neben einer kleinen Bastelanleitung für recyclte Anpflanzgefäße was Kulinarisches und einen Buchtipp voll fiskalischer Magie. Will sagen, Ihr erfahrt, wieso Monetenlosigkeit niemals nie ein Alibi für FastFood ist und was für illustre Autoren beim Schur Fix mitgegartelt haben.

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Regenwürmer im Bauch.

3 Mrz

Morgen isses soweit. Unser erster monatlicher o’pflanzt is! Schur Fix findet statt: Ein Anzieh-Workshop auf der Fläche. Unser Vorstandsmitglied und inhouse gardener Sven wird uns dabei mitnichten die Finessen gartentauglicher Bekleidungskünste vorführen (obwohl, wenn ich so darüber nachdenke…hätte auch was, grins)…vielmehr bringen wir einen Teil dessen, was in diesem Moment noch vor mir auf dem Schreibtisch in verheißungsvollen Tütchen schlummert, unter die Erde.

ICH BIN SO AUFGEREGT, ICH HAB REGENWÜRMER IM BAUCH. Meine erste Pflanzaktion im Garten. Aber ich werde sie vermissen, die knisternden Päckchen in meinem Regal…

Denn bitte, wie kann bei solchen Bes/namungen auch der asphaltversessenste Stadtmensch nicht zum SeedSpotter werden?

Bestellt haben wir die kleinen Freunde übrigens, wie unschwer ersichtlich, bei dem Saatgutkollektiv Dreschflegel. Dieses besteht aus Samenshop, Verein und Schaugarten. Macht mal zwei Stunden blaugrün und stöbert durch die großartige Webseite. Allein die Infos zu Sorten und Saatpraxis sind ein Archiv unbezahlbaren Gärtnerwissens. Und der Katalog erst…sabber, lechz…da bleibt mir nur eines zu zu sagen:

(Diese politisch unkorrekte, aber wundervolle Postkarte stammt übrigens aus dem interessanten Buch „Meine kleine Cityfarm“ von Novella Carpenter. Handelt ebenfalls von einem Versuch, mitten in der Stadt eine grüne Welt zu schaffen, allerdings mit dem Schwerpunkt auf Tierhaltung, pfui, pfui, pfui, in meinen hingebungsvoll veganen Augen jedenfalls – aber dennoch: lesenswert.)

Alle Dreschflegel-Samen stammen übrigens aus Demeter-Anbau. Und entsprechen damit unseren selbst auferlegten Auswahlkriterien an unsere Saaten:

  • biologischer Anbau
  • keine Hybride
  • so einheimisch, alt, rar & spannend wie möglich
  • pflegeleicht (damit auch von unerfahrenen Anpflanzern und in anderen Gärten erfolgreich kultivierbar)
  • standortgeeignet

Allerdings: Wir machen uns nicht zu Sklaven unserer eigenen Regeln. Wer uns mit selbstgezogenem Saatgut beglücken möchte, ob aufm Einsiedlerhof mondkalendarisch-dynamisch gewonnen, oder auf dem eigenen Balkon pimalgrünemDaumen gezogen, der bekommt ein eigenes Beet, wo der samige Gast ein neues Zuhause findet. Nur Hybride, die müssen draußen bleiben. Und über gen-technisch verändertes Gezeux muss ich ja wohl nicht reden…weshalb ich mir auch das böse M-Wort spare.