Geschenke gibt’s. Als ob wirs uns leisten könnten ;)

12 Jun

Die Fesseln der Bürokratie haben mich an den Schreibtisch gekettet.  Also war ich am Wochenende nicht im Garten. Trotzdem ist alles weitergewachsen. Seltsam. Sollte ich doch nicht der Nabel der Welt sein? Selbst unsere up-gecycelte Scholle braucht nämlich ein paar Kröten, um so schicke Dinge wie gute Erde zu erwerben, Workshops veranstalten zu können, eine 400 €-Stelle einzurichten und, und, und. Deshalb habe ich an unserem fünfsäuligen Finanzierungskonzept gestrickt. Aber das kommt noch früh genug auf Euch zu, hi,hi. Heute bekommt Ihr nochmal was umsonst. Mehreres sogar.

Bevor ich nämlich hoffentlich morgen dazu komme, 1. meine vernachlässigte, nach Grünzeug dürstende Gärtnerseele beim Tomatenausgeizen im Sonnenuntergang zu befrieden und 2. meinen versprochenen nächsten Post zu Netzwerken und Teambuilding (pfui, pfui, watscht mich da mein anglizismenhassender guter Geschmack ab, das geht doch wohl besser, oder wie? Lustig, daraufhin fällt mir als erstes das Wort „Stammbildung“ ein.  Hm, muss ich mal drüber nachdenken) zu vollenden und online zu stellen, gibts zwei kleine Extra-Schmankerl aufs Grüne hinter den Ohren.

Das Erste am Samstag, den 23. Juni ab 17.00 Uhr: Eine megalomanisch spannende Lesung von unserem Vereinsmitbegründer Martin Rasper aus seinem im oekom Verlag erschienenen Buch Vom Gärtnern in der Stadt. Stattfinden tut das Ganze in meiner Lieblingsbuchhandlung Buch&Bohne (Kapuzinerplatz 4 / Eingang Häberlstrasse)  im Rahmen der Kulturtage Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Ich bin auch da. Und noch so paar Ogepflanzte.  Ihr könnt also nicht nur dem Martin Löcher in die Gärtnerschürze fragen, sondern ebenso uns.

Und als wäre das noch nicht grandios genug, habe ich 15 Karten für Blogleser    reservieren lassen. Wenn Ihr kommen wollt, reicht eine Mail an mitmachen@o-pflanzt-is.de und max. zwei Plätze sind Euer, komplett für umsonst, lau und mäuselos. Und zwar bis Sonntag, den 17.06. Denn ausnahmsweise und o’pflanzt is!-untypisch gilt: Wer zuerst sät, erntet auch zuerst. Also hurtig (so ein schönes, lautmalerisches Wort)!

Ich habe Martins Buch natürlich verschlungen. o’pflanzt is! kommt auch darin vor. Es ist eine wirklich gelungene, umfassende, wunderbar leicht geschriebene und dennoch immer höchst politisch bleibende Einführung in Natur & Praxis urbaner Gärten. Ein echtes Standardwerk im allerbesten Sinne. Statt einer allumfassenden Rezension an dieser Stelle wird es hier in Zukunft immer wieder themenbezogene Schnipsel zu lesen geben – Martin war nämlich so nett, mir BuchInhalt zur Vertofuwurstung auf diesem Blog anzubieten. Da sach ich nich nein.

Wers nun garnicht abwarten kann und schon vorher schmökern möchte, der radle einfach vorbei bei Buch&Bohne und erstehe ein Exemplar – sie warten dort schon sehnsüchtig darauf, in Euren Bücherregalen Wurzeln schlagen zu dürfen. Das Beste an dieser Variante: Die ersten drei Bücherwürmer kriegen einen Espresso aufs Haus spendiert.

Denn wie Ihr längst vermutet haben werdet, gibt’s bei Buch und Bohne nicht nur interessantest ausgesuchte Folianten, sondern auch koffeinreiche Muntermacher und im Laden gebackene Kuchen, das Ganze zu genießen auf einem alles in sich einsaugenden Biedermeiersofa und kleinen, paris-esken Bistrotischchen. Meine Idee eines perfekten Regentages – abgesehen natürlich von der Variante zwei, die mich in Regenstiefeln im Garten antrifft. Hüstel.

Wenn Euch das Thema also grundsätzlich interessiert, sind Vom Gärtnern in der Stadt und Christa Müllers Klassiker „Urban Gardening“ die perfekte theoretische (aber nie trockene) Informationsgrundlage.

Christa Müller hat außerdem nicht nur einen ausgezeichneten Blog mit vielen Hintergrundinfos, sondern justamente für Der Freitag eine alles-auf-den-Punkt bringende Zusammenfassung zum Stand urbanen Gärtnerns in deutschen Städten geschrieben. Sehr lohnenswerte Lektüre. Derzufolge wir zur politischen Avantgarde gehören. Was bisschen Buddeln so alles aus einem machen kann 😉 Geht natürlich trotzdem runter wie Rapsöl, auch wenn der eh schon zur Selbstausbeutung führende Eigenanspruch jetzt nochmal einen Sprung nach oben tut. Yaps.

Mein Lieblingssatz aus dem Artikel:

Zu den wesentlichen Adressaten gehören dabei die Stadtplaner und -verwalter, die man bei der Gestaltung des öffentlichen Raums darauf aufmerksam machen will, dass die Stadt kein Container für noch mehr Autobahnen und Shopping-Malls ist, sondern ein Lebensraum für alle, in dem auch über die Grundlagen der Existenz debattiert werden sollte. Die politischen Formen der Generation Garten zeichnen sich weniger durch Forderungskataloge als durch Performanz, durch punktuelle und symbolische Interventionen im öffentlichen Raum aus.

Achja, was gäbe es da wieder zu schreiben… ein anderes Mal. Und wer Christa und Martin live & in medialer Äctschen erleben will, begebe sich ins Archiv des  ZDF zu einer  Themensendung des Nachtstudios. Boahhh, Urban Gardening goes Öffentlich-Rechtlich – iss schon bisschen unheimlich.  Aber, alles egal, HAUPTSACHE ES TUT SICH WAS.

Das für mich Berührendste an der Sache mit dem urbanen BeWuchern:  Dass die Natur es sich nicht nehmen lässt, selbst die Städte zu erobern, durch jede winzigliche Lücke hindurch und noch auf dem feindseligsten Brachgelände. Ruderalvegetation nennt sich das erstaunliche Produkt dieser faszinierenden Eigenschaft. Und definiert sich so:

Ruderalvegetation ist die vorwiegend krautige Vegetation anthropogen stark veränderter und/oder gestörter Wuchsplätze, sofern diese weder land- noch forstwirtschaftlich genutzt werden. (Brandes 1985, Brandes & Griese 1991)

Wer mehr wissen will, besuche die unglaublich wissensreiche und sehr lesenswerte Webseite von Professor Brandes. Wer mehr sehen will, komme zu o’pflanzt is! Denn dort bewahrt unsere mich immer wieder in Erstaunen versetzende Gärtnerin Hannah alles vor dem Zertretenwerden, was schon an stoischen Wildkräutern die Fläche besiedelt hatte, als wir noch wild von einem urbanen Garten träumten. Und umgibt sie zu diesem Zweck mit obig betrachtbarer Markierung. Ist das schön, oder ist das SCHÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖNNNNNNNNNNNNNNN????????????? Seufz. Ich glaub, ich fahr doch jetzt noch schnell los. Ich hab‘ o’pflanzt-weh.

Wie politisch s/wollen wir sein?

3 Jun

Donnerstag war ein wahrhaft großartiger Gartel-Tag.  Morgens um acht wurde ich fünf Meter vor meiner Haustür mit den Früchten meiner offensichtlich exzellenten Pressearbeit konfrontiert:

Just kidding. Die meinen uns ECHT nicht. QED.

Wir haben tatsächlich keinen Hanf angebaut (allerding wehen vier Mohnblumen im Wind und was man damit alles anstellen kann, ist ja bekanntlich ein Kapitel für sich), obwohl Hanf  so eine unglaublich vielseitige Pflanze ist, was selbst staatliche Organe inzwischen zum Anbau treibt. 😉  Ich habe allerdings kurz darüber nachgedacht, weil ich im Sinne der Permakultur gerne viele Pflanzen im Garten hätte, die multifunktional eingesetzt werden und lange Kulturtraditionen haben (Hanföl beispielsweise mische ich ob seines ausgewogenen Omega 3 zu Omega 6 Verhältnisses unter fast jedes Essen meines Winzlings und Langhanfgarne sind ein superwiderstandsfähiges Taumaterial) – aber damit hätte ich folgenden betäubungsmittelpräventiven Prozess in Gang gesetzt (in seiner Gänze nachzulesen hier):

1. Anbaubefugnis
Der Anbau von Nutzhanf ist nur den Unternehmen der Landwirtschaft im Sinne des § 1 Abs. 4 des Gesetzes über die Alterssicherung der Landwirte (ALG) erlaubt, deren Betriebsflächen die in § 1 Abs. 2 ALG genannte Mindestgrößen erreichen oder überschreiten.
Das ist in der Regel dann der Fall, wenn der Landwirt bei einer landwirtschaftlichen Alterskasse versichert ist oder sich von der Versicherungspflicht hat befreien lassen.
Unternehmen der Forstwirtschaft, des Garten- und Weinbaus, der Fischzucht, der Teichwirtschaft, der Imkerei, der Binnenfischerei und der Wanderschäferei, oder die für eine Beihilfegewährung nach der VO (EG) Nr. 73/2009 des Rates vom 19. Januar 2009 (ABl. der EG Nr. L 30/16) nicht in Betracht kommen, dürfen Hanf nicht anbauen.
Rübenzüchter, die Hanf als Schutzstreifen bei der Rübenzüchtung pflanzen, müssen den Hanf vor der Blüte vernichten.
Es besteht die Möglichkeit beim

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
– Bundesopiumstelle –
Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3
53175 Bonn
Telefon: 0228 / 207-5127
Fax: 0228 / 2075210
E-Mail: wilhelm.schinkel@bfarm.de
eine befristete Anbauerlaubnis (gemäß § 3 BtMG) zu beantragen. Diese wird jedoch nur dann erteilt, wenn der Anbau wissenschaftlichen und anderen im öffentlichen Interesse liegenden Zwecken dient. Bei einer Genehmigung durch die Bundesopiumstelle ist keine Anzeige über den Anbau von Nutzhanf (gemäß § 24a BtMG) bei der BLE einzureichen.
Auch der Anbau von zugelassenen THC- armen Hanfsorten durch wissenschaftliche Insti-tute bedarf der Genehmigung durch die Bundesopiumstelle.
– 2 –
Der Anbau von Hanf zum Zwecke des Verkaufs als Zierpflanze ist nicht zulässig.
Der Anbau von Hanfsorten, die nicht im gemeinsamen Sortenkatalog für landwirtschaftliche Pflanzenarten enthalten sind (siehe Anlage 4), ist verboten.

Mit anderen Worten: MEGASTRESS.

Auf einem kleinen gedanklichen Umweg bringt mich dies allerdings zu einer Grundsatzfrage, die mich ziemlich umtreibt: Wieviel ziviler Widerstand tut unserem Garten gut? Oder andersherum: Kann ein urbaner Garten überhaupt unpolitisch sein?

Ich trage mich schon seit längerem mit dem Gedanken, bei o’pflanzt is! ein paar Politische Beete anzulegen.  Das wären Einkaufswägen mit sorgsam beschrifteten Pflanzen, die aus den verschiedensten Gründen ein Politikum sind.  Ein paar der wunderbaren alten Sorten, deren Anbau & Weitergabe das in der Praxis oft kafkaesk-groteske deutsche Saatgutzulassungsrecht zu einem illegalen Akt (!!!!) machtBantam Mais und dergleichen mehr (Mohn weht ja bereits bei uns im Winde – ob Michelle Obama den wohl auch im Garten des Weißen Hauses gepflanzt hat oder ob sie den Anbau doch lieber ihrem Mann und seinen afghanischen Großplantagen überlässt?).

Was meint Ihr? Zu provokativ? Oder ist genau dafür ein urbaner Garten da? Alternativ könnten wir das Ganze ins Netz zu verlegen, die Beete also grafisch darstellen und mit entsprechenden Hintergrundinformationen versehen. Das wäre legaler & friedlicher, aber natürlich viel weniger haptisch. Und nicht so lustig. Und irgendwie ein bißchen, hm, feige. Schreibt mal, was Ihr darüber denkt, bevor die Aussaatzeit ganz vorbei ist. Blogs haben nämlich eine KOMMENTARFUNKTION!

Als kleinen Anreiz möchte ich Euch diesen Film hier sehr, sehr, sehr ans Herz legen:

Er wurde gedreht von der großartigen Filmemacherin Ella von der Haide, deren andere Filme und Projekte zum urbanen Gärtnern Ihr hier findet, und die am vergangenen Donnerstagabend (ich sag‘ ja, es war ein großartiger Tag)  beim Oekom e.V. Zukunftssalon zu Besuch war. Und zwar zusammen mit Ruth Tippe, die ihrerseits die Gen-ethische Stiftung ins Leben gerufen hat und beim gen-ethischen Netzwerk e.V. dabei ist, welche sich kritisch mit dem Einfluss von Gentechnologie auf unser aller Leben beschäftigen. Organisiert wurde das Ganze vom Lifeguide München, einer sehr interessanten Initiative, die einen „umfangreichen Wegweiser für ein nachhaltiges Leben in München“ ins Leben gerufen hat.

Dieser Abend hat mir wiedermal klarstens gemacht, dass wir bei o’pflanzt is! noch viel mehr Wert auf die Kultivierung seltener, regionaler Nutzpflanzensorten legen sollten – anknüpfend an die alten (und wenn nicht besseren, dann doch soviel bunteren)  Zeiten, als Saatguterhaltung eine Sache der Bauern und Gärtner war.

Ich kann Euch an dieser Stelle nicht mal ansatzweise den Umfang und die Wichtigkeit von Saatgutvielfalt für uns alle darlegen – das ist mitnichten ein Thema für Samen-Trainspotter und Gutmensch-Nerdnites, wie viele zu glauben scheinen.  Es geht dabei um absolut nicht weniger als die Zukunft der Welternährung und des ökologischen Gleichgewichts.  Bitte, bitte informiert Euch deshalb selbst.  Zum Beispiel hier, bei der Saatgutkampagne. Oder lest nebenstehendes Buch. Was Ihr natürlich besonders leckerlich bei meiner uns unterstützenden Lieblingsbuchhandlung Buch&Bohne bekommt.

Im Winter, wenn der letzte Kohl geerntet ist, organiseren wir dann mal Workshops zum Thema und gehen das ganze aussähtechnisch konsequent an im neuen Gartenjahr – dieses Jahr müssen wir halt erstmal genug Beete, Erde, Geld für Erde 😉 und unsere Infrastruktur an den Start bringen.

Allerdings: Kleine Anfänge sind gemacht. So gibt’s jetzt die Tomatenarche, in der viele, viele seltene Tomatensorten ein Zuhause finden werden. Gerade schaut sie noch übergangsweise so aus:

Etwa 300 Tomatenpflanzen haben wir am Donnerstag nachmittag  „nach Hause“  in den Garten geholt… Sie waren bei einem grandiosen Gärtner&Bauern in Pflege und wurden gestern, als ich ging, gerade liebevoll ausgegeizt und in Reissäcke umgepflanzt.

Aber davon, und von den temporären Gewächshäusern, die unter Thomas‘ ausgezeichneter Regie gerade im Garten entstehen (und hoffentlich zum Nachbau anregen) im nächsten Post mehr. In dem auch was zur Notwendigkeit von Teams, Kommunikationsstrategien & Netzwerken zu finden sein wird.

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Als P.S. & zum Nachdenken gibt’s noch einen kurzen Text mit auf den Weg. Ist wortwörtlich von der Startseite des Bundessortenamtes übernommen. Und das Wort „Leistungssteigerung“ wähle ich hiermit zur hässlichsten Erbschaft der letzten zwei Jahrhunderte. (Es geht nicht um Leistungssteigerung. Es geht um Umverteilung. Das kann doch nicht so schwer zu kapieren sein. )

Bundessortenamt

Wir begrüßen Sie herzlich auf den Internetseiten des Bundessortenamtes.

Leistungsfähige Pflanzensorten gehören zu den wichtigsten Produktionsmitteln in Landwirtschaft und Gartenbau. Die großartigen Leistungssteigerungen der deutschen Landwirtschaft und des Gartenbaus seit 50 Jahren wären ohne die Erfolge der Pflanzenzüchtung nicht denkbar gewesen. Das gilt für die Zunahme der Hektarerträge, für die Fortschritte in der Anbaueignung vieler Nutzpflanzenarten, verbesserter Qualität und für die höhere Widerstandsfähigkeit gegen Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschädlinge.

Das Bundessortenamt ist zuständig für die Erteilung von Sortenschutz und Sortenzulassung und unterstützt damit die vielfältigen Aktivitäten zur Förderung des Züchtungsfortschritts und der biologischen Vielfalt. Das Sortenschutzrecht schützt das geistige Eigentum an definierten Pflanzensorten und sichert so den Ertrag der züchterischen Arbeit durch Gewährung eines privaten Schutzrechtes. Sortenschutz kann für Sorten des gesamten Pflanzenbereichs – ausgenommen Mikroorganismen – beantragt werden.

Voraussetzung für das Inverkehrbringen und den gewerblichen Vertrieb von Saat- und Pflanzgut landwirtschaftlicher Pflanzenarten, Rebe und Gemüsearten ist deren Zulassung. Diese gewährleistet Landwirtschaft, Wein- und Gartenbau und schließlich auch dem Verbraucher die Versorgung mit hochwertigen Saat- und Pflanzgut.

Bei uns im Garten muss keiner leistungsfähig sein. Keine Pflanze, kein Tier, kein Mensch. Ertrag-Reich ja, weil es ein Ort sein möchte, an dem jeder im besten Sinne seine wahren Ressourcen wieder erkennt und sie für sich selbst und alle anderen nutzbar machen kann.  Ich nenne das das Prinzip Mensch, und es gehört zu den Grundsätzenvon o’pflanzt is!. Und wers selber erleben will, der komme vorbei.

Gestatten, mein Name ist Beet.

30 Mai

Ich lese gerade das bei Dumont erschienene Buch des Prinzessinnengartens „Anders gärtnern in der Stadt“.

Eine ganz außerordentlich lehrreiche Angelegenheit mit vielen wunderschönen Bildern & Inhalt vom Feinsten – nicht nur die Geschichte des Gartens wird erzählt, auch ein für mich mächtig erhellendes, ehrliches Interview mit einem der Gründer, viele, viele Garteltipps, liebevollst illustrierte Pflanzenporträts, Rezepte und, und, und.  Leider hat diese opulente Ausstattung auch den Preis in die eigentlich unbezahlbare Höhe von 29,90 € hochgetrieben hat, seufz.

CoffeeTableBook statt Handkompendium. Schwierige Entscheidung, das. Machen wirs stylisch und mehrmenschkompatibel (ich vermeide hier mal das Wort „Masse“) oder demokratisch&leistbar, dafür fleddrig, schwarz/weiß und eventuell wieder nur für die Bekehrten?

Auch wir basteln ja gerade an einem buchähnlichen Dings, genauer: Einer ToolBox für Gemeinschaftsgärten, die als Open Source PDF und BookonDemand im o’pflanzt is! – Selbstverlag erscheinen wird. Unterfüttert von einem raffitückischen Finanzmodell, an dem ich gerade bastle. Ob sich damit oben zusammengefasstes Problem umgehen lässt? Wir werden sehen… aber dazu an anderer Stelle baldigst mehr.

In jedem Fall: Wer die Kröten hat, und sich für urbane Gärten interessiert, dem sei die Prinzessinnenlektüre wärmstens anempfohlen. Natürlich bestellt ihr sie nicht beim fiesen Versandhandel, sondern tigert gemächlich zu Buch&Bohne, der Buchhandlung meines Vertrauens, wo es noch dazu den besten Kuchen in Isarvorstadt gibt, frisch im Laden gebacken!

Aber ich wollte ja auf meinen Post von gestern näher eingehen, sprich aus dem Samenkästchen des Gründungsvorganges plaudern.  In dieser Hinsicht sind für mich besonders die Unterschiede zwischen o’pflanzt is! und Nomadisch Grün (der hinter dem Prinzessinnengarten stehenden gGmbH) faszinierend.

Derer gibt es garnicht so viele, die aber sind recht entscheidend. Zum Beispiel arbeiten beide Gärten aus ähnlichen Gründen mit mobilen Modulen wie Hochbeeten und Reissäcken: Primär, weil wir einen Zwischennutzungsvertrag haben, der ein relativ schnelles Verbringen des gesamten Gartens auf eine andere Fläche nötig machen könnte. Die Prinzessinnengärtner waren daher so schlau, ihre gesamte Fläche mit DIN-normierten Einheiten zu bestücken: Bäckereikisten & Euro-Paletten fügen sich zu Hochbeeten, alles andere kommt in umgebauten Schiffscontainern unter und insgesamt lässt sich der ganze Garten mit 27 Zwölftonnern geplant bewegen. Natürlich wird drumherum genausoviel recycelt und improvisiert wie bei uns. Nur die Basismodule sind halt homogen.

Das ist bei o’pflanzt is! exakt und einhundertmillionen Prozent anders (noch, den eine Zeitlang werden wir wohl auch mit Bäckerreikisten arbeiten, bis nach und nach die Individualbeete wieder nachrücken.) In der Praxis führt das unter anderem zu diesen freundlichen Gesellen:

Das Lieblingsbeet von Vielen. So dekorativ und eigentlich doch so simpel. Das Geheimnis ist die vieleckige Palette.

Meine ganz besonderen Lieblinge. Konsumkritik vom FeinGrünsten.

Das kreativste Beet im Boot. Oder Boot als Beet? Drinnen endlos neu bepflanzbar, ringsum dekorativ umrankt.

Unsere Frühbeete: Kiste gezimmert, Planken auf halber Höhe rein, alte Fenster drauf, färtich. Jetzt nach den Eisheiligen werden reguläre Hochbeete draus.

Hat sowas poetisches, megafriedliches. Zwei alte Freunde im Gespräch. Zwischen Ihnen die Saat ihrer Ideen.

Unser Kartoffelbeet. In Reissäcken. Unten acht Löcher rein, Kieselsteinschicht für die Drainage, 20 cm guter Boden drauf, vorgekeimte Kartoffeln verbuddeln und immer wieder anhäufeln, wenn sie sich der Oberfläche nähern. Geht auch aufm Balkon mit der eigenen Lieblingssorte!!!!!!

Und immer kräftig gießen, aber nicht aufs Grün!

„Blatt 2“ unseres dreiblättrigen Riesenkleeblattbeetes, soeben fertig gestellt aus verschraubten Palettenmodulen – nach einer Anregung von Sven, unserem Permakulturgärtner.

Und hier das Ganze nochmal in bepflanzt.

Noch viel mehr Selbstgezimmertes gibts NATÜRLICH!!!!! vor Ort zu bestaunen – und SELBST ZU BAUEN.

Dabei handelt es sich auch um eine Grundsatzentscheidung. Der Prinzessinnengarten ist ein Blue Print, welcher sich dank Normierung der Grundelemente schnell und endlos an anderen Orten ähnlich aufbauen lässt. Das macht ihn zu einem reproduzierbaren Wunder; es nimmt die Angst vor der leeren Fläche und lässt urbane Gärten schnell, effektiv und total mobil entstehen, wichtige Kriterien für Grundstücksbesitzer und zögerliche Mitgärtner.

Andererseits fehlt das gemeinsame Entstehenlassen von Beeten aus gespendeten, selbst gesammelten, irgendwie angeschwemmten, dreist zusammengeschnorrten und dem Müll entrissenen Materialien.  Die ständig aufs Neue geforderte Kreativität, schon Entsorgtem wieder seine Wertstofflichkeit zu entlocken.  Der ständige, gemeinsam zimmernde Optimismus, diesmal das ultimative Hochbeet zu konzipieren. Die Emergenz, dass aus drei Menschen, die keine Ahnung vom Schreinern haben plus einem Haufen Müll das Zuhause eines ganzen Universums an Keimkraft werden kann. Die Hoffnung, dass sich zwar nicht das System als Infrastruktur aber als Kreativitätsimpuls vervielfältigen lässt.

Zwei ganz verschiedene Ansätze mit einem sehr ähnlichen Ziel. So vielfältig ist das urbane Gärtnern.

Es iss soweit.

26 Mai

Erstens isses jetzt soweit, dass dieser dümpelnde Blog zu neuem Leben erweckt wird. Hiermit. Für immer. Ganz ehrlich. Famous last words. Nein, echt, ich bin wild&wuchernd entschlossen, dieses virtuelle Beet ab jetzt nach besten Schreiberlingskräften zu bestellen. Und wer helfen/ annektieren/ kommentieren/ und so mag,  soll nach vorne kommen.

Zweitens haben wir beschlossen, dass  unsere Gründerphase jetzt offiziell abgeschlossen ist!!!!! Woraufhin sich folgende neue Bewohnerin dachte: „Die Hektik ist vorbei? Na, dann kann ich ja endlich einziehen.“

nix is schöner als ein freigewähltes kuscheliges upcyclingheim……
;)))) – gesehen neben unserem komposthaufen, linker pfeiler. (foto & text: Vanessa)

Ha, wenn die wüsste…

Aber was bedeutet das konkret, wenn ein urbaner Gemeinschaftsgarten wie der Unsere sich gegründet fühlt? Die folgenden Tage werde ich diesen Blog mal verschiedenen Elementen widmen, ohne die o’pflanzt is! nicht sein könnte, was (fast bin ich versucht zu schreiben „wer“) es ist. (Natürlich lasse ich eine Million gewichtiger Details unbeackert;  bitte nachfragen, falls wen was besonders interessiert.)

Zusammengefasst sieht das so aus:

– wir sind ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Das erlaubt uns,  Spenden entgegenzunehmen und welche einzuwerben.  Und zwingt uns zur Buchhaltung, Yuck, Yuck. Welche übrigens völlig transparent sein soll und jederzeit eingesehen werden kann.

– wir haben ein wunderbares Grundstück mitten in der Stadt vertraglich angemietet. Und zwar vom Staate Bayern, der uns auf eine ans Märchenhafte grenzende Weise mietpreislich entgegengekommen ist.

Unsere Fläche. Sind wir Megaglückspilze, oder was?

– wir haben eine Mission, eine Philosophie, ein Grundsatzprogramm – nenn‘ es, wiede willst – also, ein paar gemeinsam gefühlte Ideen, was wir mit dem Garten kommunizieren möchten.

– wir haben ein großartiges, nicht genug zu lobendes Kernteam von etwa 25 kontinuierlich (natürlich keinesfalls ständig ) anwesenden Menschen, die durch die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme  den Garten am Laufen halten.

– wir haben einen Gartenplan, der sich organisch verändert und allen Einflüssen offen steht, aber eine Richtschnur für unser gärtnerisches Schaffen ist.

– wir haben einen Finanzplan bis 2013 (keinesfalls zu verwechseln mit:  Geld bis 2013!!!!) und wunderbare Unterstützer, die uns mit Kröten&Rat zur Seite stehen

– wir sind sozial-medial vernetzt und kommunizieren intern über eine Open Source basierte Plattform  – wenn wir nicht im Garten sind, iss ja klar. Da reden wir miteinander!

– wir haben einfach angefangen: Mit dem Erde & Samen bestellen, dem Beetbauen, dem Pflanzen, dem Elektrifizieren, der Küchenentwicklung, den Workshops und Allem anderen.

Die Belohnung: Unsere Saat ist aufgegangen. Und WIR HABEN DAS ERSTE MAL GEERNTET!!!!!!!! Nämlich die leckersten Radieserln der Welt.

Wusstet Ihr, dass Radieschen direkt nachm Aus-der-Erde-ziehen eine perfekte Balance von erdbeergleicher Süsse und rettichartiger Schärfe besitzen? Hmmmm…

Nix, aber auch garnix kann mit diesem Augenblick konkurrieren. Außer vielleicht das Gießen bei Sonnenuntergang direkt im Anschluss. Oder das Entdecken der eben sich ans Tageslicht wagenden Stangenbohnenkeimlinge. Oder die vierte sich im Winde wiegende, knallrote Klatschmohnblüte.

Einfach mal davor setzen, Denken ausschalten und den hauchdünnen Blütenblättern beim Windspiel zuschauen. Das ist Glück.

Oder der Stolz, mit dem drei Kids unser „Tomatenarche“-Schild malen, in der anschließend die Sorte „Gelbe Johannisbeere“ Einzug hält.  Oder nach sechs Stunden über den Garten reden (heute war Schur Fix-Tag), den Bauch gefüllt mit Roswithas exzellentem Bohnen-Tofu-Zucchini Salat, aus dem Tor wanken, sich umdrehen und noch einmal unserem Schild zuwinken…. 🙂

Das schönste Logo der Welt. Mindestens.

Das Leben kann wunderbar sein.

Die o’gsäät is! Woche

6 Mrz

Weil Mensch ja in Blogs soviele FeierFreuTage ausrufen kann wie das Jahr lang ist, erkläre ich diese ganze Woche einfach mal zur SeedSpotterWeek. Warum soll ich meinen neuen Fetisch sich nicht in aller Öffentlichkeit auswachsen lassen, gell?

Von jetzt bis Sonntag also Anpflanz-HowTo’s, fruchtbare Literatur&Link Tipps & häufchenweise Samenpolemik.

Anlass ist natürlich unserer Schur Fix #1, bei dem wir am letzten Sonntag auf unserem o’pflanzt Gelände die ersten Samen in die Erde versenkt haben.

 

Wenn aus bald jetzt wird...juchu!

Foto: Mister Knister. Der nicht nur tolle Bilder macht, sondern auch schlau-opflanztige Sachen sagt. Im Radio.

 

Ui, war das schööööööööööööööööööön. Gesät wurden Paprika, Blumenkohl, Brokkoli, Weißkohl, Kohlrabi, Mais und Sellerie. Die müssen zwar jetzt schon gepflanzt werden, brauchens aber kuschliger, als wir es ihnen gerade auf der Fläche machen könnten. Deshalb kamen an die 50 Menschen mit Pflanz-Schälchen, Erdspenden & Wasser in Flaschen und haben Patenschaften für unsere Frischlinge übernommen. Dankeschön an alle dafür!!!!!!!!!!!!

Sven hat eine großartige Einführung ins richtige Einsäen abgehalten, die in den nächsten Tagen als schriftlich verewigtes HowTo vom Feinsten an dieser Stelle erscheinen wird und allen als Anregung dienen soll, es uns noch nachzumachen. Das Pamphlet heißt „Jungpflanzenanzucht – Grundlagen“ und aus irgendeinem unerfindlichen Grund treibt mir dieses Wort grün schillernde Tränen der Rührung in die Augen. Diese Winzlinge sind halt auch so fragil und zart und doch so mächtig zugleich, dass es schwer zu fassen ist.

Vorab hat Sven außerdem schon mal eine kurze Zusammenfassung des unermesslichen Wunders Keimung geschrieben, die absolut SendungMitDerMaus-Würdig ist – mein grösstmögliches akademisches Kompliment überhaupt! Drin steht auch nochmal, was Eure Zöglinge jetzt brauchen, um robuste Jungpflanzen zu werden und den Umzug zu o’pflanzt is! kraftstrotzend zu erleben: Im Grunde nix als Wasser, Luft & Liebe – also wie immer im Leben eigentlich.

Keimung

Damit   das   Miniaturpflänzchen   im   Inneren   des   Samens   hinauswachsen   und   sich  entwickeln kann, muss zuerst der Samen aufplatzen, indem er sich mit Wasser voll saugt. Dabei werden auch die Nährstoffvorräte im Samen verfügbar. Diesen Vorgang nennt man Quellung.

Anschließend treibt das kleine Pflänzchen eine kleine Keimwurzel  in die Erde –  danach kann sie ab sofort Nährstoffe und Wasser über die Wurzeln aufnehmen. Die   Pflanze   schiebt   sich   nun,   entgegen   der   Schwerkraft,   nach   oben   durch   die  Deckschicht, falls vorhanden, und entfaltet ihre kleinen Keimblätter. In dieser letzten Phase   vor   dem   Durchbrechen   der   Deckschicht   genügen   oft   schon   2   Stunden Trockenheit und das kleine Pflänzchen stirbt. Es ist also klar, dass die Aussaat nicht austrocknen sollte – es muss immer genügend Wasser vorhanden sein.

Aber mindestens genauso wichtig ist es, dass immer genügend  Sauerstoff, also Luft, vorhanden ist. Denn sobald das kleine Pflänzchen zum Leben erwacht, will es auch atmen. Deshalb sollte auch nie zu viel Wasser vorhanden sein – denn das Wasser verdrängt die Luft. Die Erde sollte also immer nur feucht – niemals nass, wie ein vollgesaugter Schwamm sein. Eher wie ein gut ausgewrungener Schwamm oder Lappen.

Natürlich braucht das Pflänzchen auch Licht. Im Frühjahr, wenn die Tage noch kurz und die Sonneneinstrahlung noch nicht so intensiv ist, sollte man deshalb den hellsten Platz wählen den man hat – in der Wohnung beispielsweise ein Südfenster, ein Südwest-, zur Not ein Südostfenster.. Fenster in Richtung Norden kriegen eher zu wenig Licht.

Aber auch die Temperatur ist wichtig. Grundsätzlich hat jede Pflanze ihren eigenen optimalen Bereich der Keimtemperatur. Informationen dazu finden sich sicherlich im Internet oder in diversen Büchern, Zeitschriften, etc.

Manche Samen keimen besser wenn sie Licht (sog. Lichtkeimer) bekommen, manche besser bei Dunkelheit (sog. Dunkelkeimer). In der Regel sollte es aber immer klappen, auch wenn ein Lichtkeimer kein Licht abbekommt, weil er mit Erde bedeckt ist. Dies hat nämlich den Vorteil, dass die Saat nicht so leicht austrocknet. Es gibt auch noch weitere Besonderheiten, wie beispielsweise Kaltkeimer – aber das sind Ausnahmen.

Mehr von Sven in Kürze.

Und weil wir ja die schamhaften Samen nicht beim Aufsprengen beobachten dürfen, offeriere ich hier stattdessen eine andere Schlüpfung: Den Geburtsmoment des Baumhummers, ein exemplarisch permakulturelles Wesen, das sein Leben auf einem Baum verbringt – äh, verbringen würde, wenn der Mensch es nicht wiedermal geschafft hätte, diese Art fast komplett zu vernichten. Aber die Natur ist zäh. Nehmt Euch in etwas Zeit, denn das hier ist ein Zen-Moment.

 

Und jetzt noch ein bisschen schamlose Werbung. Am Sonntag haben uns ein paar Menschen besonders freundlich unterstützt. Denen möchten wir danken.

Irene & Josef Braun, der „Bauer mit den Regenwürmern“, Biolandhof Braun, mit einer Biokompostspende. Wer wissen will, wie das Zeux schmeckt, das auf dieser fruchtbaren Scholle wächst: Im Gut & Gern in der Klugstraße 4 kann man jeden Freitag und Samstag lecker-frische Produkte, wie Käse, Backwaren und Kuchen, vom Biolandhof der Familie Braun kaufen.

Sonja Hüsch von der Mohnblume mit freundlicher Unterstützung beim Erwerb der Anzuchterde. Das unfassbar nach Frühling duftende Blumengeschäft findet Ihr in der Volkartstraße 13.

Christine Nimmerfall, Umwelt- und Kräuterpädagogin, mit einer großzügigen Saatgutspende, dem Teilen ihres reichen Erfahrungsschatzes und  hilfreichen Aussaatinfos. Die erfahrene Umwelt- und Kräuterpädagogin veranstaltet neben spannenden Workshops zu verschiedensten permakulturellen Themen auch erlebnispädagogische Exkursionen und Wildkräuterkochkurse für alle Altersstufen.

Josef Voit, Biogärtnerei Voit, mit einer saftigen Bioerde-Spende.

Und natürlich die uns nicht nur nachbarschaftlich verbundene Nachbarschaftsbörse des Ackermannbogens, welche uns einen gemütlichen, schönen Raum zur Verfügung gestellt hat, um uns nach dem Pflanzen wieder aufzuwärmen und einen Überblick über das o’pflanzt is!-Projekt zu geben. Das dortig gedeihende Stadtacker-Projekt stelle ich mal in einem eigenen Beitrag vor.

Es ist immer wieder aufregend, unglaublich und Mut machend, wieviele wunderbare Menschen das ihre geben, um unseren Garten möglich zu machen.

Morgen gibts neben einer kleinen Bastelanleitung für recyclte Anpflanzgefäße was Kulinarisches und einen Buchtipp voll fiskalischer Magie. Will sagen, Ihr erfahrt, wieso Monetenlosigkeit niemals nie ein Alibi für FastFood ist und was für illustre Autoren beim Schur Fix mitgegartelt haben.

Regenwürmer im Bauch.

3 Mrz

Morgen isses soweit. Unser erster monatlicher o’pflanzt is! Schur Fix findet statt: Ein Anzieh-Workshop auf der Fläche. Unser Vorstandsmitglied und inhouse gardener Sven wird uns dabei mitnichten die Finessen gartentauglicher Bekleidungskünste vorführen (obwohl, wenn ich so darüber nachdenke…hätte auch was, grins)…vielmehr bringen wir einen Teil dessen, was in diesem Moment noch vor mir auf dem Schreibtisch in verheißungsvollen Tütchen schlummert, unter die Erde.

ICH BIN SO AUFGEREGT, ICH HAB REGENWÜRMER IM BAUCH. Meine erste Pflanzaktion im Garten. Aber ich werde sie vermissen, die knisternden Päckchen in meinem Regal…

Denn bitte, wie kann bei solchen Bes/namungen auch der asphaltversessenste Stadtmensch nicht zum SeedSpotter werden?

Bestellt haben wir die kleinen Freunde übrigens, wie unschwer ersichtlich, bei dem Saatgutkollektiv Dreschflegel. Dieses besteht aus Samenshop, Verein und Schaugarten. Macht mal zwei Stunden blaugrün und stöbert durch die großartige Webseite. Allein die Infos zu Sorten und Saatpraxis sind ein Archiv unbezahlbaren Gärtnerwissens. Und der Katalog erst…sabber, lechz…da bleibt mir nur eines zu zu sagen:

(Diese politisch unkorrekte, aber wundervolle Postkarte stammt übrigens aus dem interessanten Buch „Meine kleine Cityfarm“ von Novella Carpenter. Handelt ebenfalls von einem Versuch, mitten in der Stadt eine grüne Welt zu schaffen, allerdings mit dem Schwerpunkt auf Tierhaltung, pfui, pfui, pfui, in meinen hingebungsvoll veganen Augen jedenfalls – aber dennoch: lesenswert.)

Alle Dreschflegel-Samen stammen übrigens aus Demeter-Anbau. Und entsprechen damit unseren selbst auferlegten Auswahlkriterien an unsere Saaten:

  • biologischer Anbau
  • keine Hybride
  • so einheimisch, alt, rar & spannend wie möglich
  • pflegeleicht (damit auch von unerfahrenen Anpflanzern und in anderen Gärten erfolgreich kultivierbar)
  • standortgeeignet

Allerdings: Wir machen uns nicht zu Sklaven unserer eigenen Regeln. Wer uns mit selbstgezogenem Saatgut beglücken möchte, ob aufm Einsiedlerhof mondkalendarisch-dynamisch gewonnen, oder auf dem eigenen Balkon pimalgrünemDaumen gezogen, der bekommt ein eigenes Beet, wo der samige Gast ein neues Zuhause findet. Nur Hybride, die müssen draußen bleiben. Und über gen-technisch verändertes Gezeux muss ich ja wohl nicht reden…weshalb ich mir auch das böse M-Wort spare.